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Der Begriff Dīwān (Persisch <bdi dir="ltr"><bdo dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="direction:rtl; unicode-bidi:embed; font-size:120%;">دیوان‎</bdo></bdi>) steht für Sammlungen von Poesie und Prosa in der arabischen, türkischen, persischen und Ūrdu Literatur. Einer der bekanntesten Diwane ist der Diwan des persischen Dichters Hafis, sowie der davon inspirierte West-östliche Diwan von Johann Wolfgang von Goethe. Diwan steht aber auch für das Heeresregister muslimischer Armeen[1], später auch einfach für ein Büro oder Sekretariat.

Wortherkunft

Die Herkunft des Wortes kann nicht endgültig geklärt werden: Einige Quellen schreiben es der persischen Sprache zu und vermuten eine Verwandtschaft mit dem Wort dew (‚böse, teuflisch‘), andere Quellen vermuten eine arabische Herkunft und leiten das Wort von dīwāna ab (‚registrieren, sammeln‘). Wahrscheinlich ist, dass es sich beim Wort ‚Dīwān‘ um ein persisches Lehnwort in der arabischen Sprache handelt.[2]. Die Verwendung des Begriffs für Büro, Schreibstube fand erst später Anwendung, wenngleich das Wort dīwān schon älter ist und früher Verwendung gefunden hat.

Während des Ḫalīfats

Der erste Dīwān (Al-Dīwān al-ğūnd) wurde von ʿUmar ibn al-Chattāb etabliert, um die Zahlung der Angehörigen seiner Armee effektiver organisieren zu können; es umfasste die Bewohner Medinas, die am Krieg beteiligten Truppen und Personen, die einwanderten, um sich den Garnisonen in den Provinzen anzuschließen und deren Familien. Auch einige Mawālī wurden zunächst in das Register aufgenommen, später wurde diese Praxis jedoch wieder verworfen. Beauftagt mit der Durchführung der Registration waren jeweils drei Sonderbeauftragte, diese Praxis dauerte bis zum Untergang der Umayyaden-Dynastie an. Auch in anderen Provinzen wurde dieses Konzept später eingeführt.

Umayyaden

Während der Herrschaft der Umayyaden wurde der Dīwān al Kharādj ausschlaggebend, hatte fortan seinen Sitz in Damaskus und diente vor allem dem Zweck, die Abgaben für die Grundsteuer festzulegen. Später wurde von Muʿāwiya der Dīwān al-rasāʿil und der dīwān al-khâtam ins Leben gerufen, beide dienten vor allem dem Zweck der Kontrolle und Dokumentation der staatlichen Korrespondenz, auch um Fälschungen vorzubeugen. Auch für die Verteilung der Almosen und Zakāt (dīwān as-ṣadaqa) und für die Anfertigung der Flaggen und Uniformen (dīwān al-ṭirāz) und für die Verwaltung des staatseigenen Grundbesitzes (dīwān al-mustaǧallat) wurden später entsprechende Einrichtungen etabliert.

Alle Provinzen hatten einen dīwān al-ḫariǧ, wo alle Einnahmen zentral in Empfang genommen wurden. Unter Ḥaǧāǧ wurde der Chefsekretär jeweils mit 300 Dirham monatlich entlohnt.

Arabisierung

Unter ʿAbd al-Malik wurde eine Arabisierung der Dīwāne vorgenommen, hierfür wurde unter anderem die arabische Sprache als Standardsprache festgelegt.

Die ʿAbbāssidische Periode / Fatimidische Periode

In dieser Periode wurde die umayyadische Verwaltungsstuktur weiter fortentwickelt, außerdem wurde die Verwaltung unter die zentrale Direktion eines Wazīrs gestellt. Weitere Einrichtungen für die Beschlagnahmung feindlicher Besitztümer, Fürsorge für die Dienerschaft des Palasts oder für die Angelegenheiten der Obrigkeit und viele weitere wurden eingerichtet.

Buwayhid Periode

Die Dīwane wurden weitgehend beibehalten, wenngleich sie teilweise auch wieder umbenannt wurden.

Spätere Perioden

In der späteren Zeit unterlagen die Dīwāne weiteren Umbenennungen und Umstrukturierungen, die hier nicht im einzelnen aufgezählt werden können.

Ägypten

Für die Entwicklung der Dīwāne in Ägypten ist vor allem die Zeitspanne der Zugehörigkeit zum islamischen Großreich (649-969 n.Chr.), das Fāṭimidische Ḫalifat (969-1171 n.Chr.) und die ayyubidische und mamlūkische Periode von herausragender Bedeutung.

Islamischer Staat

Zunächst wurden mit Hilfe der ortsässigen christlichen Bevölkerung die von den Byzantinern etablierte Verwaltungsstruktur fortgeführt und weiterentwickelt. Ihnen wurde dafür sogar die Verwendung der koptischen Sprache gestattet. Der Begriff dīwān war den Byzantinern gänzlich unbekannt, man kann davon ausgehen, dass dieser Begriff erst später von den neuen Herrschern des Landes etabliert wurde. Severus b. al-Muḳaffaʿ berichtet, dass der Dīwān al-miṣr vom zweiten Gouverneur ʿAbd Allāh b. Saʿd b. Sahl etabliert wurde. An diese Behörde mussten alle Steuern und Abgaben in Ägypten entrichtet werden.[3]. In den muslimischen Quellen finden weder Belege für die Einrichtung eines zentralen Einnahmebüros einerseits, noch für die Verwendung des Wortes dīwān in dieser frühen Periode andererseits.

Während der fatimidischen/Ayyubidischen und mamelūkischen Periode

Während der fatimidischen Periode wurde der dīwān al-maǧlis (Diwan des Konzils) die Keimzelle für die Entwicklung der anderen Regierungseinrichtungen des Staates und dessen Machtzentrale. Hierarchisch waren dieser Behörde weitere Dīwāne unterstellt. Nach dem Untergang des Fatimidenḫalifats wurde die bestehende Struktur und teilweise sogar die bestehende Besetzung der Dīwāne beibehalten.

Muslimischer Westen

Ob die militärische und staatliche Administration Einfluss auf das Westgotische Reich im 8. Jahrhundert hatte ist nicht bekannt. Im 10. Jahrhundert waren währen der Umayyaden-Dynastie vor allem drei Dīwāns in Gebrauch, um die essentiellen Bedürfnisse der staatlichen Administration abzudecken. Diese waren

  • Dīwān al-rasāʾil waʾl kitāba (Staatssekretariat), in erster Linie für die Bearbeitung der ausgehenden und eingehenden Korrespondenz des Staates zuständig
  • Dīwān al-ḫaraǧ wa ʾl ǧibāyāt (Finanzministerium), für die Erhebung und Eintreibung der Steuern und Abgaben zuständig
  • Dīwān al-Ǧayš / Dīwān al-Ǧund (Verteidigungsministerium)

Was Nordafrika der präalmohadinischen Periode betrifft, so ist über die Existenz von Dīwānen nichts bekannt. Auch über die folgende Zeit existieren wenig Informationen, bekannt ist beispielsweise die Existenz eines Dīwāna al-ǧayš zur Verwaltung der Streitkräfte. Dort, wo Hafenanlagen entstanden, die dem Handel mit dem christlichen Europa dienten, enstanden ebenfalls verschiedene Verwaltungseinrichtungen. Im 16. Jahrhundert hielten die Dīwāns dann Einzug in die türkischen Verwaltungsapparate in Algier, Tunis und Tripoli.

Iran

Im Iran wurde hauptsächlich für die Zentralregierung (dīwān i-aʿla) als Zivilverwaltung bzw. für die militärische Verwaltung verwendet, wenngleich eine klare Abgrenzung nicht immer möglich war. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff durch daula bzw. dāʾira i-daula ersetzt.

Literatur

  • Artikel Dīwān in: Encyclopaedia Islamica, Band II, Brill:Leiden, 1965, S.323ff

Einzelnachweise

  1. Nagel,Tilman: Staat und Glaubensgemeinschaft im Islam : Geschichte d. polit. Ordnungsvorstellungen d. Muslime (Mehrteiliges Werk), Staat und Glaubensgemeinschaft im Islam (Bd. 2.: Vom Spätmittelalter bis zur Neuzeit) , Zürich ; München : Artemis-Verl. 1981, S. 406
  2. vergl. Eintrag ‚Divan‘ in: Encyclopædia Iranica, online edition, New York, 1996-
  3. siehe Christian Friedrich Seybold: Alexandrinische Patriarchengeschichte